Künstler
@



Alle   Actionskunst   Aktionskunst   Bildhauerei/Skulpturen   Design   Fotografie   GALERIE SHAKESPEARE   Landart   Literatur   Malerei   Musiker   Svetlov Theater   under construction   Visual Art   Visual Art / Video   

<<<- vorheriger      nächster ->>>
 
Max MATO Tozzer
Veranstaltungen
Galerie
Biographie
Publikationen
Website
Kontakt
Linksammlung
Malerei

... Maler - Suchender - Literat - Grenzgänger - Altruist - Aufzeiger - Wahrnehmer - Findender ...


WERDEGANG:
An einem sonnigen Freitag Nachmittag im März 1961 schleudere ich meinen ersten Selbstlaut hinaus, in der Hoffnung er würde als Verb verstanden werden. Ein glatter Fehlschlag. Nachdem ich merke, dass auch Gesten mir nicht
das erhoffte Verständnis bringen, versuche ich 1963 die bildliche Variante:
Ich bepinsle ein Stück Papier zur Gänze mit roter Farbe - Die „Mama“. Und siehe da, ich werde erhört, in die Arme genommen und darf in strahlende Augen blicken! Ah, denke ich mir, das ist also dein Weg. Gut.

1976 nimmt mich eine begnadete Grafikerin in ihre Obhut. Ich zeichne wochenlang ausschließlich meine linke Hand und ein Philodendron-Blatt. Ich habe das Gefühl zu verdörren. Weg! Es folgen Reisen nach Italien, Spanien, Frankreich. In Figueras verfasse ich erstmals Gedichte, Aphorismen und thematische Kurzgeschichten. Aber ich brauche Farbe. Bilder. Licht! Aus Geldmangel male ich mit einem Erd-Schlamm-Handcreme Gemisch, mit geborgten Lippen- und Kajalstiften, auf alten Kartons, Leiberln und Holzresten. 1978 bemale ich im elterlich Heim den Wandverbau fett mit roter und schwarzer Farbe und suche mir kurz darauf ein eigenes Nest. Ohne Erbarmen bemale ich Schuhe, Radio, Bettzeug, Spiegel, Kästen ...

1982 schließe ich mich der „Kunstzone“ an. Erste Gruppenausstellung in Göllersdorf/Galerie Aktiv Parterre 63. Ein Debakel für mich, aber ich mach’ weiter. In der Kulturfabrik in Zwettl verkaufe ich mein erstes Bild und investiere den Erlös in Bier, Schnaps und Zigarillos. 1983 beschließe ich nach zahlreichen geistreichen und wortgewaltigen Gesprächen mit sogenannten
„Kunstsachverständigen“ meinen eigenen Weg zu gehen. Angewidert von der Scheinheiligkeit etlicher „Kunst-Prostituierten“ und vermeintlichen „Kunst-Kennern“ reise ich nach Nord- und Ostafrika und versorge mich endlich wieder mit bunten, wahrhaftigen Sinneseindrücken. Es folgen Auftragsarbeiten für Privatiers und Cafés, Ausstellungen in diversen Lokalen und Gasthöfen. Ferner gestalte ich Prospekte und dekoriere Geschäfts-Auslagen.

Von 1985 bis 1996 drängt mich mein suchender Geist immer wieder in ferne Länder. Ich brauche mehr Input – Menschen, Bilder, Sichtweisen, Kulturen, Religionen. Neues! Gehirnnahrung! Ich lerne in West- und Südeuropa, in Australien, Neuseeland, Indien, Fidji, Tahiti, in Papua-Neuguinea und auf den Cook-Islands. Ich gestalte ein Wandbild für die Zionistenkirche in Mauke/Rarotonga. Im Inland flattert ein Auftrag für ein Buchcover herein, etliche Auftragsarbeiten warten auf mich. Privatausstellungen in Bars und Banken bzw. Privatverkauf - frei Atelier - runden den Alltag ab. Ich schreibe Kinder- und Kurzgeschichten, Gedichte, Prosa, Essays. Bildnerisch experimentiere ich mit allen zur Verfügung stehenden Mittel, vermische Lackfarbe mit Steinstaub und Eidotter, rohe Nudeln mit Perlen und Ölfarbe, Realität mit Scheinwelten ....
Feine, präzise Tuschezeichnungen wechseln sich mit großformatigen realistischen Wandgemälden ab, auf Collagen folgen Reliefbilder, auf Objektgestaltung folgt Fotografie. Abstraktionen. Wachsmalkreiden, Bleistift, Acryl- und Ölfarbe. Dispersion. Abwandlungen. Es gibt keine Grenze.

Im Februar 1997 zwingt mich eine Lebenskrise bei Nacht und Nebel das Land zu verlassen. Hinter mir Leid. In mir Zerrissenheit. Auf Roatan-Island/Honduras finde ich mich wieder. Neubeginn! Ich ordne mein Gedankengut und bereite meinen Geist auf zukünftige künstlerischen Arbeiten vor. In den folgenden fünf Jahren experimentiere ich wie besessen. Ich suche meine innere Stille und werde fündig. Ich male an jedem Ort, in jeder Form, mit allen Mittel. Ich beginne mein Buch „Beichte aus dem Innersten“ und „Was ich Euch noch sagen wollte“ – ein Theaterstück. Ich ziehe mich zurück. Natur, Leinen, Farbe. Sinnsuche. Die Welt ist im Wandel.

Nun, 2003, trete ich aus meinem emotionalen Verlies an die Öffentlichkeit. Ich habe etwas mitzuteilen. Ich habe mich akzeptiert. Ich bin der, der ich sein muss.

ZU MEINER "SEELE":
Ich male, weil das verbale Beschreiben von Gefühlen - wie Liebe, Einsamkeit, Hass oder Unverstandenheit - zu oft in einem jämmerlichen emotionellen Desaster endet. Ich male um Gefühle zu wecken, um Erinnerungen an Erlebtes hervor zu rufen, um anzuklagen, um aufzuzeigen. Malen erspart mir den Psychiater, packt mich am Arm, wenn ich an der Klippe stehe und mit starren Augen hinabblicke. In einem Bild kann ich wiederspiegeln was ich sonst nicht auszudrücken vermag, wofür ich keine Worte hervor bringen kann.

So gebe ich jedem meiner Bilder einen Teil meiner Selbst mit auf den Weg. Einen Teil meines Lebens. Einen Teil meines Denkens. Einen Teil aus meinem Innersten.

Wenn es mir gelingt mit einem Bild Menschen zu einen - zwischenmenschlichen Kontakt herzustellen - dann macht es Sinn für mich weiterhin zu malen. Wenn ich erkennen darf, dass meine gemalte Emotion, Situation, mein Lebensabschnitt auch den eines Mitmenschen berührt, dann weiß ich: ich habe nicht umsonst gelitten, nächtelang nachgedacht, tagelang probiert, stundenlang übermalt und zweifelnd in mein Innerstes gelauscht.

Wenn es mir gelingt einen harmonischen Zustand zwischen Menschen herzustellen der keiner großen Worte bedarf, dann ist mein Weg ein guter Weg.




Max MATO Tozzer